„Bestellung“ beim Universum ??

„Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die Dummheit der Menschen. Beim ersten bin ich mir nicht so sicher.“ Albert Einstein

„MANIFESTIEREN“ liegt voll im Trend, befeuert durch Promis, die darauf schwören: Allein durch die Kraft der Gedanken soll jeder Wunsch zu Realität werden! Ob Traumauto, Traumwohnung, Traum-Mann oder -Frau: ALLES KANN IN ERFÜLLUNG GEHEN, wenn man die Regeln für die Bestellung beim Universum befolgt! So suggerieren es clevere Verführer:innen, die ihr GESCHÄFT meist im Internet betreiben. Natürlich hat die Anleitung für solche Wunder ihren Preis: Ein Standard-Online-Kurs zum „Manifestieren“ kann sogar mehr als das Jahreseinkommen eines Durchschnitts-Verdieners kosten! Als GARANTIE für das Verfahren verweisen sie auf sich selbst und ihre Erfolgsmasche! Die beweist allerdings nur, wie reich man werden kann, wenn man Menschen nach allen Regeln der Kunst über den Tisch zieht.

Normalerweise würde ich diesem Hype keinerlei Aufmerksamkeit schenken. Weil jedoch die seriösen und hilfreichen Techniken und Methoden der Hypnotherapie für diese Masche eingesetzt (und so auch in Verruf gebracht werden), schreibe ich diesen Beitrag.
Die wundersamen Fähigkeiten unseres Mittelhirns schätze ich sehr, viele meiner Texte geben Anregungen, wie sie sich segensreich zur Selbstbefreiung einsetzen lassen. Doch Techniken sind Werkzeuge und lassen sich so oder so nutzen: Ein Küchenmesser kann auch zur Waffe werden! Es kommt immer auf die INNERE HALTUNG und das ZIEL an. Darin liegt auch der fundamentale Unterschied zwischen der Selbstbefreiung zur Selbstentwicklung einerseits, und einer „Selbstoptimierung“ zur Ego-Aufblähung andererseits.

Die Gurus des „Manifestierens“ stellen sogar noch das Universum in den Dienst der Selbsterhöhung! Angeblich muss man das eigene Gehirn nur dauerhaft und fest entschlossen auf die passenden Wellenlängen einstellen (z.B. auf die des Traumautos), und ZACK! zieht man aus den unendlichen Weiten des Alls das Gewünschte unweigerlich zu sich herunter!
Um mal die Dimension solchen Größenwahns aufzuzeigen:
„Das All gibt unserem Planeten Erde die Wichtigkeit einer Bazille im Nasenpopel eines Flohs auf einem Haar auf dem Schwanz eines von zigtausend Elefanten in der unendlichen weite Afrikas.“ So beschreibt Alexander v. Schönburg die Stellung unseres Heimatplaneten im Universum. Und ein einzelner Mensch auf der Haut dieser Erde hat selbst wiederum nur die Wichtigkeit einer Bazille im Nasenpopel eines Flohs ….

Wie gelingt es den „Manifestier-Coaches“ trotzdem, „das Blaue vom Himmel“ zu verkaufen?
Das GESCHÄFT MIT DER ‚WÜNSCHERITIS‘ ist ein alter Hut: Wird jemand zielsicher bei seinen Sehnsüchten gepackt, führen die irrwitzigsten Behauptungen zum Erfolg, erzählt uns Andersens Märchen DES KAISERS NEUE KLEIDER. Der eitle Mann gibt all sein Geld aus, um sich mächtig herauszuputzen – eine Einladung für die listigen Betrüger, die „sagten, daß sie das schönste Zeug, was man sich denken könne, zu weben verstanden. Die Farben und das Muster seien nicht allein ungewöhnlich schön, sondern die Kleider, die von dem Zeuge genäht würden, sollten die wunderbare Eigenschaft besitzen, daß sie für jeden Menschen unsichtbar seien, der nicht für sein Amt tauge oder der unverzeihlich dumm sei.“
Die gleiche Rückversicherung nutzen heute auch die Gurus des „Manifestierens“: Wenn es nicht funktioniert, dann sind die Menschen eben zu dumm für solche hoch anspruchsvollen Methoden!

Und die zweifeln nur an sich selbst, wenn’s nicht klappt, genau wie im Märchen.
Statt der „hübschen Muster und schönen Farben“ sieht der alte Minister nur: Nichts!
‘Herr Gott’, dachte er, sollte ich dumm sein? Das habe ich nie geglaubt, und das darf kein Mensch wissen! Sollte ich nicht zu meinem Amte taugen? Nein, es geht nicht an, daß ich erzähle, ich könne das Zeug nicht sehen!’
Erst recht will sich der Kaiser nichts anmerken lassen: ‘Was!’ dachte der Kaiser; ich sehe gar nichts! Das ist ja erschrecklich! Bin ich dumm? Tauge ich nicht dazu, Kaiser zu sein? Das wäre das Schrecklichste, was mir begegnen könnte. ‚Oh, es ist sehr hübsch‘, sagte er; ‚es hat meinen allerhöchsten Beifall!‘ Und dann verlieh er jedem der Betrüger ein Ritterkreuz und den Titel Hofweber: Paradoxerweise ist also die ANGST VORM VERSAGEN ganz WESENTLICH FÜR DEN GESCHÄFTSERFOLG der Sehnsuchts-Verkäufer!

Arno Gruen (Der Verrat am Selbst) schreibt: „Wie denn sollen wir den Größenwahn eines Menschen einschätzen, der seiner Hilflosigkeit dadurch entrinnt, indem er von übermenschlichen Erfolgen träumen muss? Wir merken gar nicht, dass hinter diesen Größenphantasien die Ablehnung der Erfahrung der Hilflosigkeit steckt.“ Menschen, die in der realen Welt nie die Erfahrung von Selbstwirksamkeit machen, sind besonders empfänglich für die Botschaft von der Macht des „Manifestierens“. Doch können sie dadurch noch tiefer in den TEUFELSKREIS von VERSAGENSÄNGSTEN und GRÖẞENPHANTASIEN rutschen …
Und so endet Andersens Märchen:
„Keiner wollte es sich merken lassen, daß er nichts sah; denn dann hätte er ja nicht zu seinem Amte getaugt oder wäre sehr dumm gewesen. (..)
Aber er hat ja gar nichts an!‚ sagte endlich ein kleines Kind. (..)
Aber er hat ja gar nichts an!‚ rief zuletzt das ganze Volk. Das ergriff den Kaiser, denn das Volk schien ihm recht zu haben, aber er dachte bei sich: ‘Nun muß ich aushalten.’ Und die Kammerherren gingen und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.“

Screenshot: Eva Glaum – In meinem Blog kann ich nur allgemeine Informationen geben.
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„Das ganze Gehirn nutzen, um Probleme zu lösen!“

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