Gelassenheit und gutes ‚Standing‘

Teil 6 der Serie STRESSFAKTOR MITMENSCH

Kann jemand im Umgang mit anderen Menschen auch in kritischen Situationen gelassen bleiben, dann heißt es, er oder sie habe ein gutes ‚Standing‘. Diese Gelassenheit hat wirklich sehr viel mit dem eigenen STEHVERMÖGEN und AUFTRETEN, einem klaren STANDPUNKT und dem VerSTEHEN anderer Menschen zu tun.

Um sogar bei körperlichen Angriffen aufrecht und gelassen bleiben zu können, ist die Verfassung des vegetativen Nervensystems entscheidend. Der VORDERE ‚SOZIALE‘ VAGUS muss aktiviert sein, denn sonst geht der Körper automatisch in die Verteidigungshaltung der Kampf-Flucht-Stressreaktion: Brustkorb und Schultern nach vorne zusammengezogen, Kopf eingezogen und nach vorne verschoben.

Die STANDSICHERHEIT ist das Herzstück der asiatischen Kampfkünste, vor allem aber der friedfertigen Selbstverteidigungskunst Aikido. „Die Kunst einer zentrierten Haltung liegt darin, das ideale Gleichgewicht zu finden, bei dem wir stabil stehen und uns dennoch frei bewegen können“ (..) „Die Aufmerksamkeit immer wieder auf eine stabile Fuß- und Beinarbeit zu legen, ist gerade im Aikido besonders wichtig“, schreibt mein Aikido-Lehrer Dirk Kropp. Denn natürlich sind die Beine und Füße die Basis für solch flexible Standfestigkeit: SICHERHEIT als Gegenpol zu Ängstlichkeit kommt aus einer tragenden Beziehung zum Boden, also AUS DEN EIGENEN FUẞSOHLEN!

Auf verblüffende Weise konnte ich das erfahren: Nach vielen Jahren des Aikido-Trainings, wo ich eingeübt hatte, meine Fußsohlen bewusst zu spüren, fiel mir irgendwann auf, dass die Höhenangst weg war! Früher wurde mir nicht nur in großer Höhe, sondern sogar auf der Fußgängerbrücke beim Überqueren der Autobahn fast schwindelig und übel: Ich sah nur noch die rasenden Autos, mit denen auch der Boden unter meinen Füßen verschwand. Heute spüre ich deutlich die Festigkeit der Brücke und kann entspannt auf die andere Seite gehen. Statt der Augen spielen meine Füße die tragende Rolle!

Auch zum Singen braucht man einen sicheren Stand und eine gute Beziehung zum Boden: Denn der Muskeltonus für die Aufrichtung des Körpers wird für die Stimme gebraucht. Ist das Widerstehen gegen die Schwerkraft nicht klar und entschieden genug, wirkt auch die Stimme dünn und kraftlos. Erhöht sich der Muskeltonus in der Aufrichtung, so verstärkt sich auch die Tonkraft: „Die Konsequenz daraus ist, dass man plötzlich gehört und gesehen wird“, schreibt die Atem und Stimmtherapeutin Maria Höller-Zangenfeind.

„Der Boden unter den Füßen ist zuverlässig, er ist immer präsent. Wie gehen wir damit um? (..) Sich auf die Erde beziehen heißt einerseits, sich ihr anvertrauen, sich von ihr tragen lassen und sich hingeben. Andererseits gilt es, der Erdanziehung zu widerstehen und aus ihr heraus zu wachsen (..) Aus dem Prozess des Widerstehens mobilisieren wir Lebensenergie.“ Wie man diese WIDERSTANDSKRAFT erfahren und üben kann, beschreibt sie so:
„Praktisch sieht das Widerstehen folgendermaßen aus: Wenn Sie aus der sitzenden Position die Fußsohlen nahe unter dem Stuhl aufsetzen und gegen den Boden drücken, entsteht eine Gegenkraft im Körper, die Sie aufrichtet. Sie widerstehen der Anziehungskraft der Erde und bauen dabei nur so viel Spannung auf, wie Sie für die Aufrichtung benötigen.“

„DURCH DRUCK ENTDECKEN WIR ERST UNSER KRÄFTE“, schreibt sie. Auch der Druck von anderen Menschen kann uns helfen, unsere EIGENSTÄNDIGKEIT und SELBSTÄNDIGKEIT zu trainieren. Maria Höller-Zangenfeind beschreibt dazu eine PARTNER-ÜBUNG: Stehend, Parallelstand, etwas breiter als hüftbreit. Der Partner steht neben Ihnen und ist Ihrer linken Seite zugewandt. Verlagern Sie Ihr Körpergewicht über den rechten Fuß so, dass das rechte Bein leicht gebeugt ist. Die Hände des Partners drücken gegen Ihre linke Beckenseite. Sie widerstehen mit dem rechten Fuß dem Boden, indem Sie sich aufrichten. Der Partner macht Ihnen diese Aufrichtung schwer und drückt dagegen. Ihr Widerstand kommt ausschließlich aus Füßen und Beinen, so lange, bis das Becken ganz aufgerichtet ist. Sie spüren dabei, wie Füße und Beine arbeiten und das Gleichgewicht suchen.

„Die Widerstandskraft wird durch den Druck des Partners provoziert. Dies tonisiert die Beine und kräftigt den Ton. Kommt die Antwort auf den äußeren Druck von den Füßen her, so stellt sich ein inneres Gleichgewicht und ein flexibler sicherer Stand ein. (..) Sie beSTEHEN locker die Anforderungen Ihres Alltags, STEHEN Krisen durch, bekommen eine offene EinSTELLUNG für Neues und Fremdes, Sie GEHEN mit Situationen und Gegebenheiten um, auch wenn Sie sie nicht gleich verSTEHEN. Es wird Ihnen den UmSTÄNDEN entsprechend gut GEHEN.“ (Zitate aus Maria Höller-Zangenfeind: Stimme von Fuß bis Kopf)

Fortsetzung: Der Lotuseffekt

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Bildquelle: Pixabay

„Das ganze Gehirn nutzen, um Probleme zu lösen!“

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