Perspektivwechsel können Wunder bewirken

Unterschied

Ein Mensch fand wo ein heißes Eisen
Und, um das Sprichwort zu erweisen,
Ließ er sich durchaus nicht verführen
Das heiße Eisen anzurühren.
Ein andrer Mensch, auch sprichwortkundig,
Nahm die Gelegenheit für pfundig.
Zum Hammer griff er und zur Zange
Und schmiedete drauf los, so lange
Das Eisen warm war – und grad diesen
Hat man, als Glücksschmied, hochgepriesen.
Der Wahrheit drum sich jeder beuge:
‘S hängt alles ab vom Handwerkszeuge! Eugen Roth

Eines der wichtigsten Werkzeuge in meinem Werkzeugkasten als Coach ist der Perspektivwechsel, ein Refraiming – d.h. etwas in einem anderen (Bedeutungs-) Rahmen zu sehen und dann die Auswirkungen zu prüfen. Es gibt nämlich nicht nur eine einzige und wahre Realität, obwohl die meisten Menschen genau das glauben. Tatsächlich haben wir alle aber nur eine bestimmte ‚Brille‘ auf der Nase, durch die wir alles auch auf eine ganz bestimmte Art und Weise sehen.
Ein Perspektivwechsel gelingt nur, wenn wir mal durch eine andere ‚Brille‘ schauen können – oder das Bild einfach umdrehen, wie hier in dem berühmten Bildbeispiel von Giuseppe Archimboldo.

Was das im Leben konkret bedeutet, hat Paul Watzlawick an einem schönen Beispiel erläutert:
Da gibt es das Glas, das zu 50% gefüllt ist. Dies ist die Wirklichkeit 1. Ordnung, die sich objektiv beschreiben lässt. Aber bei der Frage danach, was diese 50% denn bedeuten, kommt die eigene ‚Brille‘ ins Spiel: Ist das Glas nun halbvoll – die optimistische Brille – oder halbleer – die pessimistische Brille? Dies ist die Wirklichkeit 2. Ordnung und mein Arbeitsfeld als Coach.

Erfahrungsgemäß entstehen die meisten Probleme durch eine bestimmte Interpretation der Realität, nicht aber durch diese Realität selbst. Und falls doch, haben wir oft keine direkte Möglichkeit zur Veränderung: Einen Chef, der gerne rumbrüllt, kann ich leider nicht umerziehen. Aber ich könnte ihm die Gelbe oder gleich die Rote Karte zeigen und kündigen, um ein besseres Arbeitsumfeld zu finden.

Das kann ich aber nur dann tun, wenn ich durch die ‚Brille für gesundes Selbstwertgefühl‘ sehe.
Gucke ich dagegen durch die ‚Opferbrille‘, dann setzt automatisch die biologische Stress-Reaktion ein: Kampf, Flucht oder Totstellreflex sind dann die archaischen Lösungsversuche – die unseren Vorfahren gegen Säbelzahntiger und andere Lebensgefahren prima geholfen haben, beim brüllenden Chef aber völlig untauglich sind.

Schlimmer noch: Unter Stress verwandelt sich dieser Chef wie von Zauberhand in eine Art von Säbelzahntiger. Wie in einem Traumbild wird er, der vorhin noch ein normaler Mensch war, zu einer übergroßen, lebensgefährlichen Bedrohung. Denn mit der Stress-Reaktion hat unser Gefühlshirn die Regie komplett übernommen, und dort ist die rationale Logik unbekannt. Das magische Denken unseres Mittelhirns verzaubert ihn und macht ihn erst dadurch so groß und gefährlich. Mit dieser Art von ‚Refraiming‘ tut man so einem Chef vermutlich einen großen Gefallen, sich selbst aber gar nicht. Wenn mir so etwas öfter passiert, dann bin ich bei der Arbeit unter chronischem Stress. Die Bedrohung kann mich sogar noch in meinen Träumen verfolgen und mir den Schlaf rauben … von den gesundheitlichen Folgen gar nicht zu reden!

Hier noch ein anschauliches Beispiele dafür, was ein Perspektivwechsel möglich machen kann:

Der Schauspieler Martin Sheen, Hauptdarsteller im Film Apokalypse Now,erlittwährend der Dreharbeiten mitten im philipinischen Urwald einen Herzinfarkt. Sein Körper war teilweise gefühllos und gelähmt, es ging um Leben und Tod. Das Filmteam und ein Stunt-Pilot schafften es zwar, ihn in ein Krankenhaus zu fliegen, aber sein Zustand wurde zusehends schlechter. Als seine Frau Janet, ebenfalls Schauspielerin, zu ihm kam, sah sie seine elende Verfassung. Da hatte sie die rettende Idee. Sie lächelte ihn an und sagte voller Überzeugung: „Es ist nur ein Film, Darling! Nichts weiter als ein Film!“ Martin Sheen sagte später, in diesem Moment habe er gewusst, er werde es schaffen.

Als kleine Hilfestellung für diejenigen, die den eigenen Blickwinkel erweitern und etwas aus anderer Perspektive sehen möchten, hier die Übung „Etiketten-Schwindel“ von Gunther Schmidt:
Wie ich etwas benenne, hat erhebliche Auswirkungen darauf, wie ich mich fühle. Ändere ich allein diese Benennung, kann dies bereits eine entscheidende Veränderung sein.
Ein Beispiel: Die Beschreibung „perfektionistisch“ durch wertschätzendere Bezeichnungen ersetzten, z.B. „ergebnisorientiert“, „gründlich“, „selbstkritisch prüfend“.
Wie verändert sich durch diese neue Beschreibung das Selbstbild bzw. das Bild von einer anderen Person?

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In meinem Blog kann ich nur allgemeine Informationen geben.
Zur individuellen Beratung nehmen Sie bitte Kontakt zu mir auf.

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Bild: Giuseppe Arcimboldo – The Vegetable Gardener – WGA00841.jpg / Wikimedia Commons

„Das ganze Gehirn nutzen, um Probleme zu lösen!“

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